Kletterurlaub auf Sardinien:
Sardinien überzeugt mit seinen landschaftlichen Höhen, wunderbarer Naturwelt, feinen Sandstränden und einzigartiger Kletterei. In diesem kleinen Blog erhältst du einen Einblick in die sardische Welt und wieso Sardinien eine einzigartige Destination für Kletterer ist. Dabei werde ich dich mit auf eine kleine Reise an der Ostküste mitnehmen.
Bei BETAMOVE organisieren wir erlebnisreiche Kletterurlaube am Gardasee und haben die besten Insider-Tipps für dich zusammengestellt.
Nach leider zwei Flügen aus der schönen Stadt Wien, mit einigen Turbulenzen und einem leckeren Mailänder Muffin, trafen wir uns am Sonntag in Cagliari. Für viele Geschichtsliebhaber wird diese Hauptstadt sehr interessant sein. Aus Zeitgründen sind wir jedoch nur in Richtung unseres Schlafplatzes gefahren und wollten schnell zur Ruhe kommen, um am nächsten Tag fit fürs Klettern zu sein.
Am ersten Tag war Regen angesagt, also mussten wir uns in einen Überhang quälen. Ich bin ein überzeugter Überhang-Kraft-Boulderer, jedoch war die Gruppe erstmal nicht überzeugt von der Sache. Ich suchte schnell über TheCrag ein passendes Gebiet heraus und wir schauten, dass wir umso schneller dorthin kommen. Nach einem 15-minütigen Zustieg, einigen beeindruckenden Blitzen sowie Regenfällen in der Ferne und coolen Fotos später, sind wir an dem kleinen Felsbauch angekommen. Die Haken waren bereits etwas verrostet und es schien, als würde hier nur mal eine kleine Freundesgruppe am Wochenende klettern. Durch den Regen waren die Ausstiege zu nass und dadurch gefährlich. Deshalb entschieden wir einfach, unsere eigenen Routen zu klettern. Teilweise waren es Quergänge, die mobil abgesichert wurden, da sonst ein Grounder nicht ausgeschlossen werden konnte. Außerdem vertrauten wir dem bestehenden Material nicht so wirklich und wollten eine Zusatzsicherung hinzufügen. Die erste Route war ein Boulderproblem in 3 Meter Höhe, was eher schwierig für die sichernde Person zu halten war. Das Boulderproblem bestand aus zwei Fingerlöchern ca. 1 Meter links neben der direkten Aufstiegslinie. Anschließend musste man mit den Fingerlöchern, die man maximal mit zwei Fingern in einem 30 % Überhang nehmen konnte, in eine Zange mit der linken Hand erweitern. Hat man erstmal die Zange, kann man mit rechts in ein drittes Fingerloch greifen und sich rüberdrücken. Durch diesen doch kräftigen Zug und die schlechten Tritte haben wir diese Route im 9. Grad (9/9+) eingestuft.
Die zweite Route startete ganz links des Felsens und arbeitete sich über einen Riss, der mobil abgesichert wurde, nach rechts. Ist man erstmal rechts an der Route, musste ein langer Dyno nach oben gemacht werden, um an den unteren Bauch zu kommen. Bei diesem Zug ist Überzeugung alles! Anscheinend waren wir alle überzeugt genug von unserer Kraft. Nach einem Mantel und einem ziemlich sloprigen Ausstieg war die Route nach 10 Metern auch wieder vorbei. Die sehr diverse, saucoole Tour wurde von uns mit einer 8 UIAA bewertet. Ein sehr kreativer Tag mit viel Spaß und Laune auf mehr endete.
Am zweiten Tag haben wir Basti zum Flughafen gebracht und sind 2,5 h in Richtung Tortolì an der Ostküste gefahren. Dort haben wir eine Granitwand gefunden, die aussah wie eine Pfälzer Sandsteinwand. Das Gebiet heißt Lucertole al Sole. Die Landschaft, durch die wir wanderten, war geprägt von Kakteen und Sträuchern. Wir fanden sogar das Skelett eines toten Tieres in einer Höhle. Das Gefühl, als wären wir im Wilden Westen unterwegs, hatten wir dadurch umso mehr. Angekommen an der Wand fanden wir wunderbare Risskletterei vor. Schnell das Brot ausgepackt, geschmiert und gegessen, damit wir schnell an die Wand konnten. Die Aussicht war extrem schön und die Sonne schien wärmend auf unsere Haut. Die erste Route war eine leichte Risskletterei, um reinzukommen. Danach teilten wir uns in unterschiedliche Routen auf. Ich projektierte in einem Riss mit der Beschreibung „Im oberen Teil selbst für Achter-Kletterer ein Rätsel“, und das interessierte mich natürlich sehr. Ich hing mich rein, schaute mir in Ruhe die Route an und machte die Crux-Moves ein- bis zweimal. Dann machte ich eine längere Pause, sicherte Anna und startete einen Durchstiegsversuch. Nach der dritten Exe abgerutscht und reingefallen – was ein Mist! Ich wurde abgelassen und fing nochmal von unten an. Im unteren Teil kraxelt man einen einfacheren Abschnitt bis zu einem rutschigeren, plattigeren Riss hinauf. Dort bin ich zuvor reingefallen. Ein kleiner Blockierzug und Reibungstritte später fing die Crux-Frequenz an. Um diese Stelle entspannt zu klettern, habe ich mich einer wundervollen Knieklemm- und Blockierzugabfolge bedient. Mit einem heiklen Ausstieg und einem super Gefühl des Durchstiegs wurde ich abgelassen. Als wir unser Zeug zusammenpackten, lernten wir ein amerikanisches Paar und zwei Kletterinnen kennen. Wir unterhielten uns noch ein wenig, bis wir entschieden, dass wir morgen zusammen klettern wollen. Zusammen fuhren wir zu einem Stellplatz, der sich direkt an einem Leuchtturm am Meer befand.
Am dritten Tag wachten wir mit einem wunderschönen Meerblick auf. Wir frühstückten ausgiebig mit ausreichend Kaffee und machten uns auf zu unserem nächsten Abenteuer. Auf Empfehlung von Nora (eine Schweizerin, die jedes Jahr auf Sardinien für längere Zeit lebt) fuhren wir in die Berge nach Cengia Giradili. Was wäre ein Kletterurlaub nur, ohne sich einmal zu verfahren? Wir fuhren eine Abbiegung zu früh auf eine relativ gute Forststraße und haben ganz am Ende leider ein verschlossenes Tor vorgefunden. Ein Hinweis für Personen, die den Kletterführer von Vertical Climbing haben: Fahrt weiter, bis eine große Kurve kommt. In dieser Kurve ist eine weitere Forststraße – wie auf dem Bild im Führer. Der Standpunkt im Buch ist nämlich falsch bzw. die Route dahin. Als wir ankamen, haben wir uns direkt an die Wand gemacht. Nach einem kurzen Abstieg von 20 Minuten waren wir auch schon da. Das Gebiet überzeugte mit einem Panorama aus Meer, Bergen und Steinböcken. Natürlich hörte man die Rufe der Ziegenzucht, die man zur Wand durchquerte. Die Griffe der Routen waren fantastisch scharf – schlecht für die Haut, aber besser für das Erlebnis. Ich hing mich direkt in die schöne Route Mele e Serpenti, boulderte sie aus und schaffte sie. Die Route war eine Mischung aus Risskletterei, harten Blockierzügen und einer ziemlich guten Platte. Eine große Empfehlung für alle, die diverses Gelände beim Klettern mögen. Danach hing ich mich in Hannibal rein und habe eine sehr große Klatsche erhalten, da ich außer die ersten paar Exen keine durchgehend klettern konnte. Alle Züge waren weit, hart und extrem technisch. Für den Grad fand ich sie relativ hart. Danach war meine Haut runter, und ich fokussierte mich darauf, die anderen ihre Routen hochzuschreien. Anna hatte sich 2–3 Routen herausgesucht, die sie entspannt durchstieg. Sie fühlte sich anscheinend recht wohl dort. Susi (eine Bergführerin aus Südtirol) hing sich nach meiner Quälerei auch in Hannibal rein und machte eine gute Figur. Ihr Resultat war genauso wie meines. Trotzdem extrem lohnenswert. So beendeten wir unsere Kletterei. Wieder angekommen am Parkplatz, übernachteten wir dort. Eine gerade Stelle zu finden war nicht einfach, aber nach 20 Minuten Suchen gelang es uns. Am nächsten Morgen trafen wir den Ziegen-/Schafzüchter und frühstückten wieder, bis irgendwann eine Horde Wildschweine am Parkplatz herumschnüffelte. Ich begann direkt mit einer ausgiebigen Fotosession und beobachtete, wie die Wildschweinfamilie nach Essen suchte. Wir verbrachten den nächsten Tag nochmals an der gleichen Wand mit einer eher entspannteren Kletterei. Es hat immer mal geregnet, aber das konnte unser Abenteuer nicht vermiesen. Wir sahen in der Ferne noch einen Steinbock und genossen die Aussicht.
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Am nächsten Tag frühstückten wir zu dritt und tranken einen leckeren Kaffee mit den anderen. Anschließend verabschiedeten wir uns und fuhren weiter nach Cala Gonone. Da es ein Restday für uns war, entschlossen wir uns, unseren morgigen Kletterspot anzuschauen. Als wir ausstiegen, ist uns jedoch klar geworden, dass es irrsinnig stürmisch ist. Wir sahen auf das Meer hinaus und es kamen unzählige Sturmböen mit Wasserspritzern auf uns zu. Wir zogen uns warm an, und los ging das nächste Abenteuer. Der Weg war durch die Windstärke 8–9 etwas anstrengender als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Die Cave, die wir uns anschauten, war unfassbar schön. Man konnte sich vorstellen, dass vor vielen Jahren hier das Meeresleben tobte. Wir sahen auch ein paar Personen, die kletterten, und redeten ein wenig mit ihnen. Wir entschlossen uns, den Sonnenuntergang anzuschauen und Abend zu essen – ganz nobel Brot mit Butter und Marmelade. Um ehrlich zu sein, hätte es auch nur Brot sein können, da durch die Sonnenuntergangsstimmung alles geschmeckt hätte. Jacob teilte uns dann mit, dass er überlegt, die Nacht in der Cave zu verbringen. Wir schauten ihn fragend an und überlegten kurz, ob wir ihm Beistand leisten und auch dort schlafen sollten, aber nach kurzer Besprechung entschieden wir, im warmen Camper zu schlafen. So abenteuerlustig waren wir anscheinend doch nicht. Wir liefen gemeinsam zum Camper zurück, dann packte Jacob sein Zeug und wir verabschiedeten ihn, wie Eltern ihr Kind, wenn es zu einer Party geht: „Pass auf dich auf, und falls was ist, sind wir erreichbar!“ Wir fuhren zu einem Platz, wo wir stehen konnten, aßen noch was und schliefen trotz vielem Schaukeln ganz gut. Als wir am Morgen in die Cave kamen, war Jacob munter und bereits wieder energiegeladen. Wir brachten ihm Frühstück mit und fingen an zu klettern. Der Anfang des Tages war noch etwas windig, jedoch kam schnell die Sonne heraus. Jacob und Anna hingen sich in eine Route rein, die unten eine schwere Crux hat und oben heraus immer homogener wird. Wie immer ist die Crux unten, und dadurch haben wir die erste Exe eingehängt, damit alle heil bleiben. Sie haben an diesem Tag beide die Route geschafft. Ich hing in einer sehr überhängenden Route drin. Der Anfang hatte zwei bis drei etwas schwierigere Stellen, die jedoch nach ein- bis zweimal Klettern sehr entspannt waren, da es gleichbleibende Züge waren. Eine andere Möglichkeit als das, was ich tat, gab es schlichtweg nicht. Kurz vor der Crux kam nochmal eine super Rastposition, jedoch habe ich diese Crux einfach nicht gebacken bekommen. Man musste aus einem großen Loch heraus in ein Zwei-Finger-Loch greifen und anschließend einen extrem weiten Zug in einen doch relativ guten Griff springen. Ich war jedoch dauerhaft so weit ausgereckt, dass ich keine Hüfte einsetzen konnte (ich war blockiert), und deshalb musste ich alles aus den Armen ziehen. Ich versuchte diese Stelle anders zu lösen, jedoch gelang es mir leider nicht. Nach der Crux kommen ganz gute Griffe, jedoch teilweise etwas lange Züge. Um Kraft zu sparen und nicht dauerhaft nur an den Armen zu hängen, habe ich durchgehend Hooks gesetzt. Ich arbeitete mich also durch den extremen Überhang, bis der Top in Reichweite war. Um zum Top zu gelangen, brauchte man nur einen weiten Zug nach oben in einen wunderbar großen Griff. Die Schwierigkeit war nur die Weite – die Füße hatten Platz, und die Griffe davor waren auch eher angenehm. Die Passage davor powert nur aus. Am Top angekommen, legte ich einen Cam und ließ mich darüber ab, da der Umlenker ein altes Stück Bandmaterial ist und extrem alte Karabiner mit Korrosion durchsetzt. Ich versuchte die Route den gesamten Tag, bis die Sonne bereits kurz vor dem Untergehen war, aber ich schaffte diesen einen Zug nicht. Ich war trotzdem sehr zufrieden mit mir, da es eine tolle Route war. Bei meinem letzten Versuch tauschte ich noch das Bandmaterial aus, machte einen meiner Karabiner rein und ließ mich darüber ab. So können wenigstens zukünftige Athletinnen dort ohne Probleme runterkommen.
Am letzten Tag fuhren wir in die Millennium Cave. Es war regnerisch und wir wollten noch einmal ein Highlight in der Gegend entdecken. Der Weg zu der Cave ist etwas schwieriger, da es an Fixseilen 250 Meter nach unten ans Meer geht. Grundsätzlich kein Problem, jedoch bei Regen ungesichert für mein Risikobefinden eher heikel. Die Höhle ist 60 Meter hoch und ca. 210 Meter tief, mit hunderten Stalaktiten. Wir haben eine wirklich große Höhle erwartet, aber diese Größe kann man sich kaum vorstellen. Wir staunten, machten einige Bilder und starteten natürlich mit Klettern. Wir gingen in eine sehr angenehme, pumpige 6c+ rein. Die Linie war fantastisch. Sie verlief über eine schöne senkrechte Wand mit Steinrippen, die etwas hohl klingen, und endete in einem eher plattigen Ausstieg. Anschließend kletterte ich eine Route, in der bereits viele Exen hingen. Die Bewertung lag bei 8a, also an meinem Leistungslimit. Die Linie war jedoch sehr beeindruckend, und schon war ich drin in der Route. Was kann schon schiefgehen? Das Schlimmste ist, dass ich wieder herunterkomme! Obwohl die Züge ganz schön schwer waren und ich mich ein- bis zweimal reinhängen musste, hatte ich einen irrsinnigen Spaß. Einen Zug nach dem anderen habe ich geschnauft und wiederholt, wie „geil“ diese Route ist. Angekommen an der letzten Exe war der Umlenker leider nicht zu sehen, und ich entschloss, nach 30 Metern und einer harten Crux vorher diese Route mit meinem tollen Gefühl abzuschließen. Danach suchten wir uns noch zwei Routen mit demselben Umlenker heraus und kletterten diese in einem himmlischen Genusszustand. Der Tag endete mit einer längeren Autofahrt und einem Gefühl von einem gelungenen Urlaub. Heute war es wie die letzten Tage – einfach klasse.
Angekommen auf der Fähre, parkten wir das Auto, suchten uns einen wunderschönen Schlafplatz … im Restaurant auf dem Sofa, und spielten Karten. Als eine Durchsage vom Captain kam, dass es auf dem Weg stürmisch wird und die Fähre etwas wackeln wird, nahmen wir das auf, aber hatten noch keine wirklichen Bedenken. Was soll bei einer 400-Tonnen-Fähre schon wackeln? Zehn Minuten später schaukelte das Schiff dermaßen, dass wir alle eine Reisetablette einwarfen, Zähne putzten und ganz fix schliefen. Der Wind hat uns also ein Stück weit aus Cala Gonone verfolgt. Ausgeschlafen und fit sind wir gut angekommen und fuhren etliche Stunden wieder nach Hause. So endet ein toller Urlaub mit fantastischen Eindrücken und tollen Menschen, die wir kennengelernt haben. Danke an die fleißigen Menschen, die die Routen vor Ort sanieren, da es ohne diese Personen sehr düster aussehen würde fürs Klettern.
Bei BETAMOVE geht es nicht nur um das Klettern, sondern auch um die Kultur und Menschen kennenzulernen, die Landschaft zu genießen und komplett zu entspannen.